Die Chemieindustrie und deren Unfälle seit dem Jahr 2000

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Gaswarnanlagen in der Chemieindustrie

Zusammenfassung

Der Chemie-Unfall im Jahr 2021 in Leverkusen zeigt im Detail auf, was genau passiert und abläuft, wenn es zu einem größeren Unfall kommt. Hier wurde gegen Mitarbeiter ermittelt und dazu wurde auch deren Privatwohnung durchsucht. Der häufigste Grund einer Ermittlung ist die Verletzung der Sorgfaltspflicht.

Seit 2008 bewegen wir uns in Sachen Gaswarnanlagen in der Chemieindustrie und wir waren auch bereits für Firmen aus der folgenden Unfallauflistung tätig.
Was wir festgestellt haben ist, dass das Thema Arbeitsplatzsicherheit und Explosionsschutz in den letzten 20 Jahren deutlich besser geworden ist. Allerdings liegen bis heute noch diverse Schwachpunkte vor, welche oft aus der Vergangenheit kommen, getreu dem Motto „das haben wir schon immer so gemacht und es ist noch nie etwas passiert“. Oftmals liegt der Schwerpunkt zu viel auf dem Explosionsschutz und die Arbeitsplatzsicherheit wird völlig nebensächlich betrachtet (in Sachen Gaswarnung).

Einer der größten Schwachpunkte vieler in der Chemieindustrie ist jedoch das Thema Dokumentation. Hier liegt bei vielen Hersteller akuter Handlungsbedarf vor. Denn wenn man erst nach einem Unfall beginnt sich mit dem Thema Dokumentation zu beschäftigen, dann ist es meistens zu spät und führt zu entsprechenden umfangreichen und langwierigen Ermittlungen.

Dies ist auch im Falle des Unfalls von 2021 in Leverkusen gut zu erkennen.

Unsere Empfehlung an die Chemieindustrie:

  • Prüfen Sie Ihre aktuelle Gefährdungsbeurteilungen und Explosionsschutzdokumente.
  • Widmen Sie sich nicht nur dem Explosionsschutz, sondern auch dem Schutz der Mitarbeiter vor den Gasen (siehe geänderte TRGS 910).
  • Prüfen Sie die Positionen und Auslegung Ihrer bestehenden Messstellen, denn was vor 20 Jahren der Stand war, ist heute oftmals nicht mehr aktuell, zumal Sie für die Messstellenposition seit 2016 eine Sicherheitstakte anlegen sollten.
  • Widmen Sie deutlich mehr Aufmerksamkeit den Unterlagen. Sowohl was die Vollständigkeit, wie auch den Inhalt dieser betrifft. Alle drei Jahre sollten dies durch eine „befähigte Person“ kontrolliert werden.
  • Outsourcing ändert rein gar nichts an den erwähnten Punkten. Sie als Betreiber sind in der Haftung und sollten sämtliche Dokumentation vorhalten, auch wenn Sie dies outgesourct haben.

Gerne stehen wir Ihnen für Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung.

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Hier folgend die größten deutschen Unfälle in der Chemieindustrie seit dem Jahr 2000:

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Juli 2021

Bei der schweren Explosion bei der Firma Currenta mit einem anschließenden Großbrand waren am 27. Juli sieben Menschen ums Leben gekommen.
Wenige Monate nach der Explosion im Leverkusener Chemiepark ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen drei Personen. Sie sollen bei der Lagerung von Abfall in dem Tank, der schließlich explodierte, ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben. Ein Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung besteht.

Quelle: ntv

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Oktober 2016

Am 17. Oktober 2016 ereignete sich ein schwerer Unfall bei der BASF in Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz, mit einem mehr als zehn Stunden andauernden Brand und zwei Explosionen. In der Folge davon starben fünf Menschen, 28 weitere wurden verletzt, sechs davon schwer.

Quelle: Wikipedia

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Oktober 2012

Auf dem Gelände des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Food in Bad Fallingbostel (Niedersachsen) sind durch einen Chemieunfall giftige Gase entstanden. Nach dem irrtümlichen Zusammenkippen einer Säure mit Natronlauge in dem Werk war eine giftige Gaswolke entstanden, so dass Katastrophenalarm ausgelöst werden musste.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Februar 2012

Bei einem Großfeuer im Chemiepark in Marl (Kreis Recklinghausen) mit 100 Produktionsanlagen verschiedener Firmen werden zwei Menschen getötet. Offenbar löste Materialermüdung den Brand aus.

Quelle: WirtschaftsWoche

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April 2008

Am neunten April 2008 kam es im Chemiepark der Firma Grillo in Duisburg beim Befüllen eines Tankwagens mit Schwefeldioxid zu einem Zwischenfall. 70 Menschen hatten Atemwegsreizungen erlitten. Die ätzenden Dämpfe waren über ein angrenzendes Wohngebiet hinweggezogen. 20 Menschen – darunter zwei Mitarbeiter des Werks – mussten wegen Atemwegsreizungen im Krankenhaus behandelt werden.

Quelle: WirtschaftsWoche

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April 2002

Wegen eines undichten Ventils in einer Firma für technische Gase in Ludwigsburg bei Stuttgart explodierte ein Sauerstofftank. Ein Arbeiter stirbt, zwei erleiden lebensgefährliche Verbrennungen.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Februar 2002

Im BASF-Werk in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz explodiert aus ungeklärter Ursache ein 200-Liter Kessel mit dem Lösemittel Toluol und einem Produkt zur Futtermittelherstellung. Sechs Mitarbeiter werden verletzt.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Dezember 2001

Beim Umfüllen einer falsch deklarierten Chemikalie in einem fast leeren Tank entsteht in einer geschlossenen Werkshalle der Beiersdorf AG in Hamburg eine Chlorgaswolke. Der Rohstoff für Kosmetikprodukte hatte mit Salzsäureresten im tank reagiert. 23 Mitarbeiter kommen mit Atemwegsreizungen und Verätzungen ins Krankenhaus.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Dezember 2001

Im Werk Frankfurt/Main des Schweizer Chemiekonzerns Clariant werden bei einem Brand acht Feuerwehrleute durch Salzsäuredämpfe verletzt. Eine Giftwolke entweicht in die Umwelt, richtet dort jedoch keine weiteren Schäden an.

Quelle: WirtschaftsWoche

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August 2001

Eine Verpuffung in einem Galvanisier-Betrieb im bayerischen Leinburg setzt bei der Herstellung einer Reinigungslösung 50 Liter einer ätzenden Chlorgasverbindung frei. 40 Beschäftigte werden verletzt.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Mai 2001

Bei BASF in Ludwigshafen explodiert in einer Produktionsanlage für Textilchemikalien eine Maschine und löst einen schweren Brand aus. Eine Wolke aus augen- und hautreizenden Gasen zieht über das Werksgelände und angrenzende Stadtteile. Etwa 170 Menschen, darunter 69 Kinder, wurden ärztlich behandelt.

Quelle: WirtschaftsWoche

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Dezember 2000

In der Wiesbadener Firma Vianova Resins explodiert mit großer Stichflamme ein Kunstharzkessel. Die Druckwelle beschädigt mehrere Gebäude in der Umgebung, es entsteht ein Großbrand. Der Sachschaden wir auf umgerechnet 50 Millionen Euro geschätzt.

Quelle: WirtschaftsWoche

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